München, den 16. Mai (autaro) Der Nachfolger, besser gesagt: die Nachfolgerin des Alfa 147 trägt wieder einen klangvollen Namen statt eines profanen Nummern-Kürzels. Giulietta, das klingt wieder nach hinreißenden Formen und Leidenschaft. Und schon auf den ersten Blick wird klar, dass der Name nicht zuviel verspricht. Dieser Alfa ist hinreißend gezeichnet, von allen Seiten ein echter Hingucker. Technisch verspricht er außerdem, auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, von den Multiair-Motoren bis hin zur neuen Plattform, auf der er steht. Diese wird auch ihren Weg in die Produktpalette von Fiat und Lancia finden und lässt sich problemlos auch für die Fahrzeuge der höheren Klassen verwenden – Baukastenprinzip at it’s best. Ferner taugt die Plattform auch für den Allradantrieb, den Alfa nach dem Vorbild Audi fester in das sportliche Gesamtkonzept integrieren will.
Keine Experimente
Zunächst kommt die Giulietta aber ganz konventionell mit Frontantrieb daher, wie wir das von den letzten Modellen bereits kennen. Außerdem steht bereits fest, dass der Viertürer die einzige Karosserievariante bleiben wird – wenn sich hier mal nicht doch noch was ändert. Ein Schaden muss das nicht sein, denn der Viertürer macht eine bessere Figur, als so manches Coupé. Kritiker der Marke werden freilich monieren, dass die Ähnlichkeit zur spanischen Konkurrenz ein wenig zu deutlich ausfiel, die Fensterlinie ist eindeutig Seat. Ansonsten geht die filigrane Linie eigentlich kaum zu Lasten der Funktionalität. Auf allen Plätzen herrscht ausreichend Platz, die Übersichtlichkeit ist auch nicht schlechter als bei der Konkurrenz und der Kofferraum dürfte mit seinem Volumen von 350 Litern wohl den meisten Alltagssituationen gerecht werden. Lediglich der Zugang zur zweiten Sitzreihe erfordert von Großgewachsenen ein wenig Geschick, hier fordert die niedrige Dachlinie ihren Tribut.
Die Verarbeitungsqualität stimmt
Die Zeiten klappernder Handschuhfachdeckel oder quietschender Armaturenträger scheinen Bei Alfa endgültig der Vergangenheit anzugehören. So auch im Falle der Giulietta. Alles wirkt ordentlich und solide verarbeitet, die Türen fallen satt ins Schloss und die Materialauswahl ist ausgesprochen gediegen geraten. Hinzu kommt, dass man gerade in der ersten Reihe äußerst kommod zum Sitzen kommt und sich praktisch für jeden Fahrer die richtige Position für Sitz und Lenkrad finden lässt. Längere Fahrten müssen aber auch die Passagiere in der zweiten Reihe nicht scheuen, zumindest auf den äußeren beiden Plätzen.
Der Motor klingt mehr nach Fiat, denn nach Alfa Romeo
Der bereits aus dem Alfo Romeo Mito bekannte 1.4 TB Multiair-Motor geht verhältnismäßig unauffällig zu Werke. Man kann ihm zwar keine große Schwäche anlasten, aber mit den kehlig röhrenden Exemplaren der Alfa-Vergangenheit hat dieses Triebwerk nichts mehr gemein. Dieser Vierzylinder ist von der modern-souveränen Sorte und gefällt zum Ausgleich mit gemäßigten Trinksitten. Zum akzeptablen Durchschnittsverbrauch trägt auch die serienmäßige Start-Stopp-Automatik bei, die unauffällig und zuverlässig agiert. Den Durchschnittsverbrauch nach normiertem Verfahren gibt Alfa zwar noch nicht an, bei verhaltener Fahrweise waren es bei unserem Testwagen allerdings meist unter acht Liter – das ist nun kein Rekord, im Vergleich zu früher aber ein echter Fortschritt.
Die Giulietta ist ein echter Kurvenräuber
Ein großes Kompliment gebührt den Ingenieuren aus Turin für die Abstimmung des Fahrwerks. Dermaßen spurstabil wetzt bisher kein Alfa auch um engste Kehren, selbst der kleinere Mito nicht. Die Lenkung geriet ausgesprochen direkt und die Feder-Dämpfer-Abstimmung gewährt engen Fahrbahnkontakt, ohne dabei unkomfortabel zu werden. Hier spielt auch der Dynamik-Modus seine Trümpfe aus, der auf Knopfdruck das maximale Drehmoment von 230 Newtonmetern auf 250 Nm anhebt und für spürbar mehr Druck sorgt. Auch die elektronische Differentialsperre arbeitet feinfühlig und sorgt in beinah jeder Lebenslage für ordentlich Bodenhaftung. Das Vergnügen geht zu Preisen ab 19.990 Euro los, für den von uns getesteten Alfa Romeo Giulietta 1.4 TB 16V MultiAir sind es bereits 22.400 Euro. (autaro)