Bentley News - der Artikel
Nobility obliges: der neue Bentley Mulsanne

München, den 09. Mai (autaro) Bis 1998 lief der große Bentley unter dem Namen Mulsanne vom Band, quasi als Schwestermodell des Rolls-Royce Silver Spirit. Darauf folgte der mäßig erfolgreiche Bentley Brooklands mit BMW-Achtzylinder und deutlich höheren Qualitätsstandarts und schließlich unter der Führung des Volkswagen-Konzerns endlich wieder ein Mulsanne. Der Name geht auf die Mulsanne-Gerade der Rennstrecke von Le Mans zurück und lässt eher an zackige Sportwagen denken, denn an Limousinen jenseits der Fünfmetermarke. Genau genommen sind es 5575 Millimeter, eine Ansage an die Einparkfähigkeiten des Chauffeurs.

Der Mulsanne schöpft aus dem Vollen

Von seinem Vorgänger Brooklands mit BMW-V8 trennen den Neuen Welten, nicht nur optisch, sondern auch technisch. Ein 6,75-Liter-V8 leistet dank Doppelturbo 513 PS und stemmt gewaltige 1.020 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Die Kraft wird über eine Achtstufenautomatik von ZF auf die Räder übertragen, die Spitzengeschwindigkeit der knapp 2,6 Tonnen schweren Limousine liegt bei 296 Stundenkilometern. Um den Verbrauch noch halbwegs innerhalb gesellschaftlich vertretbarer Normen zu halten, verfügt der Achtzylinder über verstellbare Nockenwellen und Zylinderabschaltung. Der Erfolg geriet mäßig: an die 16,9 Liter Durchschnittsverbrauch, die Bentley für das Dickschiff angibt, möchte man per se nicht glauben. Bei normaler Fahrweise mit entsprechendem Einsatz in der Stadt dürften Werte unterhalb der 20 Liter selten realisiert werden, schnell gefahrene Autobahnetappen werden schnell zum ruinösen Unterfangen. Für die avisierte Zielgruppe freilich Kleingeld, wer ein solches Auto fährt, der möchte es auch genießen. Und das kann man: mit einer solchen Ruhe und Mühelosigkeit geht derzeit kaum ein anderes Fahrzeug zu Werke. Praktisch lautlos schiebt der Motor mit spürbarem Nachdruck an, von Straßenunebenheiten ist kaum etwas zu merken – dem adaptiven, luftgefederten Fahrwerk sei Dank. Auf Wunsch kann der Mulsanne allerdings auch anders. In 5,3 Sekunden geht es dann von Null auf Tempo 100, untermalt von inmernoch leisem aber majestätischem Grollen des famosen Achtzylinders.

Der Innenraum: very british

Im Innenraum bekommt bekommen die Sinne genau das, was sie erwartet haben: Holz. Leder und Lammfell-Teppiche, soweit das Auge reicht. Der Duft der handvernähten Tierhäute betört und im hohen Flor des Teppichs drohen Schoßhunde zu versinken. Nachdem sich die Türen automatisch ins Schloss gezogen haben, fühlt man sich geborgen wie in einem Tresor und genießt den üppigen Platz im Fond. Darüber hinaus wartet der Mulsanne nun auch mit technischen Neuerungen auf dem aktuellen Stand auf: ein modernes Navigationssystem mit Festplatte gehört nun ebenso dazu, wie die 2.200 Watt starke Musikanlage. Dass hinsichtlich der Verarbeitungsqualität alle Gründe zum Mäkeln der Vergangenheit angehören, versteht sich mittlerweile von selbst. Jedes noch so kleine Bauteil wirkt wie aus einem Block gehauen, ein Auto gebaut für die Ewigkeit.

Kein Auto für die breite Masse

Eigentlich ist dieser Bentley ein Auto zum Selbstfahren, kaum eine Limousine dieser Gewichtsklasse vermittelt soviel Fahrspaß und lässt sich derart behände um die Ecke zirkeln. Die meisten Käufer werden dieses Vergnügen allerdings ihrem Chauffeur überlassen und sich selbst vermutlich an das Steuer ihres Bentley GT setzen, der in einer der zahlreichen Garagen nebenan wartet. Das nötige Kleingeld sollte ohnehin vorhanden sein. Neben exorbitanten zu erwartenden Unterhaltskosten und gesalzenen Rechnungen an der Tankstelle verlangt Bentley genau 289.170 Euro für den Mulsanne. Nobility obliges. (autaro)