
München, den 01. August (autaro) Hybridfahrzeuge der Kompakt- oder Mittelklasse gehören nach wie vor zu den Exoten auf deutschen Straßen, sowohl hinsichtlich der Stückzahl als auch optisch. Ganz intuitiv denkt man sofort an den Müsli-Look eines Honda Insight oder Toyota Prius, jenes Windkanal-Design, das offensichtlich von Gutmenschen für Gutmenschen entwickelt wurde und Fahrern herkömmlicher Benziner irgendwie stets den mahnenden Zeigefinger zeigt.
Aufregendes Design aber schlechte Übersicht
Anders macht es bisher eigentlich nur der Honda CR-Z. Er kommt mit einer opulenten Sportwagen-Schnauze, ausgeprägter Keilform und knackigem Heck daher, mit Öko oder Müsli hat dieser Kompakte optisch nichts zu tun. Ebenso wenig mit Ausgewogenheit oder den in der Klasse des VW Golf üblichen Platzverhältnissen, die Sitze in der zweiten Reihe verdienen allenfalls die Bezeichnung Notlösung. Vorn hingegen sitzt man in griffigen Sportschalen, gefühlte zehn Millimeter über dem Asphalt. Platz herrscht in Reihe eins ausreichend, aber die Übersichtlichkeit ist, nicht zuletzt wegen der kompromisslos sportlichen Sitzposition, bescheiden. Das gilt sowohl für den Ausblick in Fahrtrichtung als auch für die Übersicht nach achtern, die zusätzlich durch eine Art Spoiler eingeschränkt wird. Dafür geriet die Verarbeitung überaus solide, hier klappert oder knistert nichts, selbst auf übelsten Schotterpisten herrscht Ruhe. Wenig elegant wirkt dagegen das gesamte Interieur, das zwar ein wenig Space-Shuttle-Feeling aufkommen und sich bestens bedienen lässt, dafür aber auch zu praktisch 100 Prozent aus Hartplastik besteht. Klassenstandard ist dies seit langem nicht mehr.
Der CR-Z reißt keine Bäume aus
Dabei ist der CR-Z mehr Blender denn waschechter Sportler. Würde man ihm nach dem ersten Blick noch die für kompakte Sportler üblichen 180 bis 200 PS attestieren, wandelt sich dieser Eindruck nach der ersten Ausfahrt schlagartig. Auf dem Papier sind es denn auch nur 114 PS aus einem 1,5-Liter-Benziner mit vier Zylindern, ergänzt durch 14 PS des Elektromotors. Doch die 124 PS Systemleistung fühlen sich weniger sportlich an, als man es erwarten würde. Zwar verfügt der Hybrid als einziger seiner Zunft über ein manuelles Sechsganggetriebe, das sich präzise und sauber schalten lässt. Doch dreht der Benziner nur unwillig hoch, beginnt ab 4.000 Touren nervtötend zu dröhnen. Die elektrische Unterstützung, von der wir eigentlich eine kleinen Tritt ins Kreuz erwarten würden, ist unterdessen nicht viel zu spüren. Dazu kommt, dass dem CR-Z nach Art eines Mildhybriden die Möglichkeit abgeht, rein elektrisch zu fahren. Das einzige, was Fahrer und Mitreisende tatsächlich bemerken, ist die zuverlässig funktionierende Start-Stopp-Automatik.
Der Verbrauch kann sich sehen lassen
Die wirklich große Überraschung kommt an der Tankstelle. Während der Durchschnittsverbrauch nach ECE-Norm mit genau fünf Litern angegeben wird, verbraucht der Sportler sogar nur 4,8 Liter. Und bei mäßig behutsamem Umgang mit dem Gaspedal werden es auch im reinen Stadtverkehr kaum mehr als sechs Liter. Selbst wer den Honda wirklich prügelt, hat selten mehr als eine Sieben vor dem Komma stehen und wird dafür mit einem Sprint von Null auf Tempo 100 in unter zehn Sekunden entlohnt. In unserem Test waren es genau 9,6 Sekunden, die Werksangabe bescheinigt 9,9 Sekunden. Und die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 200 Stundenkilometern wohl genau auf Klassenniveau. Da der geringe Benzinverbrauch übrigens eine sehr niedrige CO2-Emission von nur 117 Gramm pro Kilometer zur Folge hat, ist der CR-Z steuerlich (Euro 5) ein echter Sparmeister. Auch die Versicherungseinstufung fällt bescheiden aus (hier können Sie vergleichen), Fahrer eines Hybriden scheinen wohl, selbst wenn es sich um einen Sport-Hybriden handelt, zu der besonders besonnenen Fraktion von Autofahrern zu gehören, die durchschnittlich einfach wenige Unfälle verursachen.
Kompromissloses Handling
Feine Manieren sind, wie bereits erwähnt, nicht die Stärken des deutlich auf Sport getrimmten Honda. Dies gilt sowohl für die Fahrgeräusche, die zwar nicht deutlich über dem Klassendurchschnitt, wohl aber im Bereich des Hörbaren liegen als auch für den Federungskomfort. Doch auch die Abstimmung des Fahrwerkes kann als nicht gänzlich ausgewogen gelten, schnelles Einlenken bei höheren Geschwindigkeiten kommentiert der Honda mit einem bockig auskeilenden Heck – ESP und serienmäßigen 16-Zoll-Räder zum Trotze. Ambitionierten Sportsgeist würde vermutlich ein größerer Motor versprühen, den das Fahrwerk und die gute Bremsanlage durchaus vertragen würden.
Top: das Preis-Leistungs-Verhältnis
Die große Stunde des Honda CR-Z schlägt beim Blick in die Preisliste. In drei Ausstattungslinien ist er erhältlich, nämlich „S“ (21.990 Euro), „Sport“ (22.990 Euro) und „GT“ (24.990 Euro). Bereits die Basislinie S ist keineswegs nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Von den üblichen Sicherheitsmerkmalen mit sechs Airbags, ABS, ESP, Bremsassistent und aktiven Kopfstützen bis hin zur Klimaautomatik oder dem MP3-fähigen CD-Radio ist bereits alles mit an Bord, was man sich wünscht. Hinzu kommen die bereits erwähnten Spartarife bei Verbrauch, Steuern und Versicherung. Wer Wert auf Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit legt und sich dennoch vom Gutmenschen-Image eines Toyota Prius distanzieren möchte, muss sicherlich mit dem einen oder anderen Kompromiss leben. Er könnte aber mit dem Honda CR-Z sicher glücklich werden. (autaro)




