
(Foto: Honda)
München, den 27. Oktober 2011 (autaro) In den ersten drei Quartalen 2011 brachte es Honda in Deutschland auf exakt 2226 Neuzulassungen seines Mittelklasse-Modells Accord. Wieviele davon auf sogenannte Tageszulassungen durch Autohändler oder Vertragspartner entfallen, ist zudem ungewiss. Dabei hat die Alternative zu VW Passat oder auch zu Toyota Avensis durchaus etwas zu bieten. Und rein optisch braucht sie sich ebenfalls nicht zu verstecken, im Gegenteil: die etablierte Konkurrenz wirkt gegen den Honda teilweise beinah langweilig, der Accord ist die richtige Wahl für Individualisten. Womöglich liegt jedoch genau hier das Handicap des Japaners, Fahrer der Mittelklasse scheinen einen gewissen Wert auf Bekanntes, sozusagen auf deutsche Hausmannskost zu legen.
Die Optik wurde aufgefrischt
Nach einem kleinen Aufenthalt in der Beauty-Klinik sieht der Accord gefälliger aus. Neue Scheinwerfer und eine optisch massivere Frontschürze lassen den Japaner solider wirken, insgesamt wirkt er stimmig. Und gerade mit Blick auf die deutsche Hausmannskost ist besonders der Kombi avantgardistischer, wirkt gegen einen VW Passat wie der Zweitwagen von Captain Future. Allerdings kostet er auch, wie üblich in dieser Klasse, etwas mehr als die Limousine. 1.300 Euro sind es exakt, was sich aber hinsichtlich Ladevolumen und Nutzwert durchaus rechnet.
Aufgewerteter Innenraum
Im Innenraum des Honda Accord zeigt, dass auch die Japaner die Message verstanden haben. Geschäumte Kunststoffe und attraktive Applikationen gehören nun auch bei Honda in die Mittelklasse, außerdem legen die Kunden Wert auf eine tadellose Verarbeitung. Die Zeiten in denen grauer Kunststoff und hartes Plastik so ziemlich jede Oberfläche im Innenraum bedeckten, sind gottlob vorüber. Die Tasten gefallen mit einem satten Druckpunkt, die Drehregler rasten beherzt und die Blinkerhebel machen dem Fahrer keine Angst mehr vor frühzeitiger Aufgabe. Je nach Ausstattungsversion kommt der Accord außerdem mit einer Pedalerie aus gebürstetem Metall und versprüht nicht ur mit solchen Details einen gewissen Sportsgeist. Die Sitze sind ausgesprochen konturiert und machen eindeutig auf Sportler. Was der Civic in der Kompaktklasse, ist der Accord in der Mittelklasse. Allein bei der Ergonomie spaltet der Accord die Geister: den einen mag es gefallen, wenn es nachts aus allen Ecken und Winkeln funkelt und blinkt, die anderen finden die von Honda gewählte Schalterflut schlicht verwirrend. Mit ein wenig Gewöhnung findet man sich zwar gut zurecht, es geht aber auch mit weniger Aufwand, wie die Konkurrenz beweist.
Assistenzsysteme auf der Höhe der Zeit
Der Honda wartet seit dem Facelift mit einer noch größeren Zahl an Assistenzsystemen auf. Auch die Ausstattung ist komplett, schon in den schlichteren Varianten. Bi-Xenon mit adaptiver Lurvenausleuchtung ist ebenso verfügbar wie ein Fernlich-Assistent. Auch ein Navigationssystem mit Touchscreen ist verfügbar, es funktioniert mit schnellen rechenzeiten und zielstrebiger Routenführung, könnte allerdings höher auflösen. Wenn schon Farbdisplay, dann auch richtig! Ansonsten fährt so ziemlich alles mit, was es derzeit an automatischen Co-Piloten auf dem Markt gibt. Vom Tempomat mit automatischem abstandhalter bis hin zur automatischen Notbremsfunktion. Außerdem bemerkt der Accord es, wenn der Fahrer versehentlich die Fahrbahn verlässt und macht dann nicht nur darauf aufmerksam, sondern greift korrigierend in die Lenkfunktion mit ein. Ebenfalls ungewöhnlich in dieser Klasse: eine Frauenstimme weist den Fahrer an, sich beispielsweise den Sicherheitsgurt umzulegen, ebenso seine Passagiere. Außerdem straffen sich die Gurte selbst, wenn die Fuhre in eine brenzlige Situation gerät. Sowas gab es bislang nur bei Mercedes und Co.
Der Fahrer hat alles im Griff
Gefallen will der Accord vor allem durch Sportsgeist und ein aktives Fahrerlebnis. Und tatsächlich: die Abstimmung von Fahrwerk, Lenkung und Schaltung ist durchaus gelungen, vermittelt Fahraktivität ohne dabei übermäßig unkomfortabel zu wirken. Die Lenkung gibt sensibel Rückmeldung über den Straßenzustand und zirkelt den immerhin 4725 Millimeter langen Japaner zielsicher auch um enge Kehren. Großen Spaß macht zudem das serienmäßige Sechsganggetriebe, das mit sauber geführten Schaltgassen und ausgesprochen kurzen Schaltwegen Lust auf Drehzahlwechsel macht.
Drei Motoren stehen zur Wahl
Insgesamt stehen für den Accord drei Motoren zur Auswahl, zwei Benziner und zwei Diesel. Die Benziner leisten wahlweise 156 oder 201 PS, die Selbstzünder schöpfen aus 2,2 Litern Hubraum entweder 150 oder 180 PS. Insbesondere der Top-Diesel passt so richtig zum straff abgestimmten Japaner, wirft sich vehement in die Riemen und geht, je nach Fahrweise, recht sparsam mit dem teuren Kraftstoff um. Zwar verrät sein Timbre stehts, dass es sich um einen Diesel handelt, gerade die Konkurrenz aus Deutschland oder Frankreich ist hier deutlich leiser. Dafür liegt aber auch dank 380 Nm Drehmoment in nahezu jeder Situation ausreichend Leistung an, der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 vollzieht sich in nur 8,6 Sekunden und auf Wunsch rennt der Honda 220 Sachen Spitze. Wenigfahrer sollten die Sache freilich zweimal durchrechnen, denn bei der Kfz-Steuer ebenso wie bei der Kfz-Versicherung liegt der Accord allenfalls im Klassen-Mittelfeld. Hinzu kommt ein im Vergleich zur deutschen Konkurrenz relativ hoher Wertverlust, die Garantieleistungen liegen ebenfalls im Durchschnitt. Den von Honda angegebenen Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer erreicht man nur, wenn ein gewisser Verzicht in Sachen Leistung geübt wird, dafür macht der spritzige Diesel aber fast zuviel Spaß.
Limousine oder Tourer?
Kombis heien bei Honda „Tourer“. Aber welcher Accord ist denn nun die bessere Wahl? Die Limousine ist etwas leiser als der Tourer, dafür schluckt dieser weit mehr Gepäck. Das chice Coupe, das in Nordamerika ebenfalls verkauft wird, bieten die Japaner mangels Nachfrage hierzulande gar nicht erst an. Das Leergewicht ist mit 1.484 bis 1.610 Kilogramm in jedem Falle zu hoch. Hier könnte Honda mit der nächsten Modellgeneration Abhilfe schaffen, das neu entwickelte SUV CR-V gehört zu den leichtesten seiner Art und hat die Konkurrenz ins Mark getroffen.
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
In Sachen Preis und Leistung ist der neue Honda Accord durch und durch Japaner: alle Wesentliche ist serienmäßig mit an Bord, von den elektrischen Helferlein bis hin zur Klimaanlage. So scheinen die aufgerufenen 26.450 Euro für den kleinsten Benziner in Basisausstattung nur auf den ersten Blick nicht billig – zumal Honda hinsichtlich Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis mit der Konkurrenz gleichzieht.
Fazit
Für alle, die ein durch und durch solides Preis-Leistungs-Verhältnis suchen, einen gewissen sportlichen Anspruch an ihr Auto haben und denen VW Passat oder Ford Mondeo zu konformistisch erscheinen, sollte der Honda Accord einen Blick Wert sein. Insbesondere der starke Diesel ist ein echtes Sahnestück, nicht mit den allerbesten Manieren aber mit einer Bärenkraft und vertretbaren Verbrauchswerten. (autaro)

Gefällige Linie, außergewöhnlich ist aber anders

Das Heck fügt sich schlüssig ins Bild

Spaltmaße und Verarbeitung stimmen

Leichtmetallfelgen als Option

Schlanke Silhouette

Der Innenraum ist mittlerweile äußerst gediegen