
München, den 13. November 2011 (autaro) Was früher dem Rentner-Paar der 190er, war mit ihrer Erscheinung mittlerweile die B-Klasse von Mercedes. Senioren schätzten die unprätentiöse Erscheinung, den hohen Nutzwert und die erhöhte Sitzposition und wer einen Stern auf der Motorhaube haben wollte anstelle eines Golf Plus, der kam an der B-Klasse kaum vorbei. Für Mercedes Selbst war die Baureihe indes wenig gewinnträchtig. Wegen der kostspieligen Konstruktion mit doppeltem Wagenboden und eigens für diese konstruierten Motoren hatte der vanähnliche Kompakte hinsichtlich der Gewinnmarge so seine Tücken.
Sensationell aerodynamisch
Der doppelte Boden musste in der neuen Generation auf der Strecke bleiben, lediglich die später erhältlichen Versionen mit Erdgasantrieb werden künftig als Sandwich konstruiert. Und auch das dann erst ab der ersten Sitzreihe, der Tank verschwindet dort zwischen den Böden. Insgesamt ist die neue B-Klasse dadurch niedriger geworden, was der Aerodynamik zugute kommt. Überdies haben die Ingenieure tief in die Trickkiste gegriffen, um einen cW-Wert von 0,24 zu realisieren. Dieser ist rekordverdächtig und sucht in dieser Klasse seinesgleichen. Dabei ist die B-Klasse profilierter geworden, nicht unbedingt auf Anhieb gefälliger aber doch ausdifferenzierter und eigenständiger. Zudem sorgen viele konvexe und konkave Flächen im Wechsel dafür, dass der Wagen kompakter wirkt, dazu dezenter Chromzierrat und der mittlerweile typische, steil stehende Daimler-Grill mit großem Mercedes-Stern.
Innen endlich Mercedes
Den vielleicht größten Sprung hat die neue B-Klasse im Innenraum gemacht. Die Verarbeitung war auch im Vorgänger-Modell einwandfrei, Klappergeräusche oder Knistern gab es in der B-Klasse nicht. Die Neue aber glänzt endlich auch durch hochwertige Materialien und ausgefeiltes Design, insbesondere die optionalen Holzapplikationen versprühen echtes Oberklasse-Flair. Auch die verchromtem Lüftungsdüsen im SLS-Style oder das riesige Farbdisplay im iPad-Look beweisen Liebe zum Detail, so edel wie die B-Klasse ist derzeit keiner der Konkurrenten. Bei all dem feinen Ambiente kommt aber auch der Nutzwert nicht zu kurz. Allein das Handschuhfach würde so manchem Winzling als Kofferraum genügen und gegen Aufpreis gibt es viele weitere praktische Lösungen. So wartet beispielsweise die Version mit Doppelkupplungsgetriebe, dessen Wählhebel am Lenkrad sitzt, mit weiterem Nutzraum zwischen den Vordersitzen. Und gegen Aufpreis lässt sich die Rückbank um 14 Zentimeter in der Länge verschieben, was entweder für fürstliche Beinfreiheit im Fond oder für ein Kofferraumvolumen von stattlichen 666 Litern sorgt. Außerdem lässt sich dann die Sitzlehne des Beifahrers umlegen, wodurch auch der Kleiderschrank vom schwedischen Möbelhaus in die heimische Garage transportiert werden kann. Und schließlich ist es die Haptik, die sich in der neuen B-Klasse endlich wieder nach Mercedes anfühlt. Wer einmal die Tür eines W124 ins Schloss geworfen hat und dieses tresorartige Geräusch kennt, der konnte mit der alten B-Klasse einfach nicht glücklich werden. In der Neuen machen die Türen endlich wieder dieses unverwüstliche „Plopp“, alle Schalter rasten und klicken satt und Selbst Teile wie die filigran konstruierten Sitze wirken wie aus einem Guss. Auch der Geruch hat etwas von Oberklasse, ganz besonders mit den optionalen Ledersesseln.
Aufwendiges Fahrwerk
Das Fahrverhalten hat ebenfalls spürbar gewonnen. Hier hat Mercedes aber auch allen möglichen Aufwand getrieben, beispielsweise die einfache Verbundlenker-Hinterachse durch eine hochmoderne Vierlenker-Achse ersetzt. Das ermöglicht nicht nur Raum für beispielsweise einen Hybridantrieb, die Achse federt auch deutlich sensibler und die ganze Fuhre hält zuverlässiger die Spur. Insgesamt gefällt das Fahrwerk mit guter Straßenlage und sensiblem Ansprechen, auch auf schlechten Straßen sind schnell gefahrene Kurven kein Problem mehr. Die Lenkung gefällt durch präzise Rückmeldung und feinfühliges Ansprechen, die zusätzlichen Euro für das optionale Sportfahrwerk kann man sich mittlerweile getrost sparen.
Hoher Langstreckenkomfort
Lange Strecken sind in der neuen B-Klasse von Mercedes nun eine echte Freude. Gegenüber dem Vorgänger ist der Kompakte um Klassen leiser geworden und die Sitze ebenso wie die oftmals bemängelte Sitzposition des Vorgängers provozieren nun keine Ermüdungserscheinungen mehr. Besonders gefällt die effektive Geräuschdämmung sowohl der Fahrbahngeräusche als auch des Motors, was gerade den kräftigen Selbstzündern zugute kommt. Beim Ausdrehen des Motors lassen die Diesel ihre Herkunft zwar noch erahnen, ansonsten halten sie sich jedoch dezent im Hintergrund. Windgeräusche überdecken ab Autobahntempo das Meiste, ebenfalls angenehm leise ist das Abrollgeräusch ohne das lästige Poltern des Vorgängers.
Übersichtliche Motorenpalette
Die nun einfachere Konstruktion ohne doppelten Boden macht es der B-Klasse nun möglich, die Motoren der größeren Brüder zu adaptieren und spart Mercedes jede Menge Entwicklungskosten. Trotzdem fällt die Motorenpalette zum Marktstart erst einmal übersichtlich aus: zwei 1,6-Liter-Benziner mit vier Zylindern, Benzindirekteinspritzung und Turbolader bringen es auf 122 PS im B180 und 156 PS im B200. Die Diesel-Fraktion stellen der B180 CDI mit 109 PS und der 136 PS starke B200 CDI. Beide haben einen 1,8-Liter-Commonrail-Diesel mit 1,8-Litern Hubraum unter der Haube. Der kleinere Benziner rennt bis 190 km/h Spitze, der größere sogar 220 Sachen. Die Diesel machen ebenfalls 190 oder 210 Stundenkilometer möglich. Serienmäßig kommt die B-Klasse grundsätzlich mit Handschaltung und sechs Gängen. Gegen Aufpreis steht nun ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Göngen zur Verfügungn, das keinen Tropfen mehr verbrauchen soll.
Niedrige Kilometer-Kosten
Ordentlich geklotzt haben die Ingenieure, was den Verbrauch angeht. Besonders die Selbstzünder gefallen beide mit einem angegebenen Durchschnittsverbrauch von 4,4 bis 4,6 Liter Diesel pro 100 Kilometer was einem CO2-Ausstoß von 114 bis 121 Gramm pro Kilometer entspricht. Bei den Benzinern sind es 5,9 bis 6,2 Liter Benziner bzw. 137 bis 144 Gramm CO2 pro Kilometer. Insgesamt ebenfalls gut für die Kostenbilanz sind die niedrigen Kosten für die KFZ-Steuer und eine erfreulich niedrige Eisntufung bei der Kfz-Versicherung (hier geht’s zum Vergleich). Sowohl bei der Haftpflicht- als auch bei der Kasko-Versicherung rangiert die B-Klasse im unteren Mittelfeld.
Fazit
Die neue B-Klasse hat endlich das Zeug zum Weltauto. Der Vorgänger verkaufte sich zwar keineswegs schlecht, war aber nie so wirklich ein echter Mercedes. Der gediegene Innenraum, die ordentliche Serienausstattung und die erfreulich niedrigen Kilometer-Kosten rechtfertigen bei der neuen B-Klasse zudem den recht hohen Grundpreis, das Design bleibt noch immer Geschmackssache. (autaro)
Fotos: Daimler

Je nach Blickwinkel kommt die neue B-Klasse sogar dynamisch daher

Trotzdem, auch das sieht man, geht ordentlich was rein

Erst recht, wenn man die Sitze umlegt

Innen endlich Mercedes

Das feine Ambiente wird optional angenehm weich illuminiert

… ebenso das Exterieur

Das riesige Display

… bleibt dank des zentralen Dreh-Drück-Schalter frei von Fettflecken

Kino für die Kids