
(Fotos: Chevrolet)
München, den 29. Mai 2011 (autaro) In Sachen Elektromobilität geht der US-Riese General Motors (GM) eigene Wege. So kommen die ersten Elektroautos nicht wie die Konkurrenten aus Europa ausschließlich mit einem Elektromotor daher. Auch der mittlerweile bestens bekannte Hybridantrieb wurde nicht gewählt, obwohl das Konzept ähnlich ist. Nein, im Opel Ampera und im nahezu baugleichen Chevrolet Volt übernimmt zwar ausschließlich ein Elektromotor die Antriebseinheit, es befindet sich aber auch ein Benziner an Bord. Dieser fungiert als sogenannter Range Extender, zu Deutsch: Reichweitenverlängerer. Ist der an der heimischen Steckdose ladbare Akku leer gefahren, springt der Benziner an und lädt ihn wieder auf. Gefahren wird trotzdem rein elektrisch.
Volle Flexibilität
Die Batterie mit einer Speicherkapazität von 16 Kilowattstunden reicht für eine Strecke von 40 bis 80 Kilometer und damit für rund 80 Prozent aller Fahrten, die ein durchschnittlicher Europäer im Alltag absolviert. Der kurze Trip in die Stadt, die alltägliche Fahrt zur Arbeit, all das kann rein elektrisch angetrieben absolviert werden. Der große Vorteil gegenüber reinen Stromern besteht allerdings in der aus Benzin generierten Reserve. Denn für den Volt stellen selbst Fahrten von über 500 Kilometern Länge kein Hindernis da und er kann am gut ausgebauten Tankstellennetz Benzin tanken. Der Nachteil: all die Technik und das Doppelherz schlagen beim Gewicht zu Buche. Ein Chevrolet Volt wiegt immerhin 1,7 Tonnen. Außerdem steht und fällt die Umweltbilanz nicht nur mit der Länge der Reisestrecke. Selbst wenn der Volt im reinen Elektromodus unterwegs ist, bestimmt die Art und Weise der Stromgewinnung, ob die Natur leidet oder nicht. Denn nach wie vor wird auch im umweltbewussten Deutschland der größte Teil der benötigten Energie aus fossilen Brennstoffen gewonnen, allen voran die gute alte Braunkohle. Damit verlagert sich das Problem nur, es wird nicht beseitigt. Wer reinen Ökostrom tankt, tut freilich das Richtige und kann tatsächlich mit grünem Gewissen fahren.
Das Antriebskonzept erfordert keine Gewöhnung
In der Praxis bemerkt man kaum etwas vom komplexen Zusammenspiel der beiden Motoren. Hat der Akku genügend Saft, vollzieht sich die Fahrt nahezu geräuschlos. Also zumindest das Motorengeräusch ist nur leise wahrnehmbar, erinnert klanglich ein wenig an moderne Straßen- oder U-Bahnen. Da das Brummen eines Benziners oder Diesels fehlt, nehmen die Insassen natürlich die restlichen Fahrgeräusche in besonderer Weise wahr. Der Chevi rollt zwar keineswegs besonders laut ab, die Rollgeräusche drängen sich aber in den Vordergrund. Und bei schnellerer Fahrt gesellen sich zwangsläufig auch Windgeräusche hinzu. Insgesamt ist der Volt sicherlich einer der leisesten seiner Klasse. Das ändert sich auch kaum, wenn der Verbrennungsmotor seinem Elektrobruder zur Seite springt. Sicher, man nimmt den Benziner wahr, aber eher als entferntes Brummen, ein wenig wie das Brummen einer Ölheizung im Einfamilienhaus, wenn man neben dem Heizkeller steht. Gewöhnungsbedürftig ist unterdessen die Tatsache, dass der Benziner unabhängig vom Beschleunigungsverhalten des Fahrers arbeitet. Vier konstante Drehzahlen sind festgelegt, zwischen 1.400 und 4.800 U/min. Das ermöglicht die Arbeit außerhalb weniger effektiver Teillastbereiche. Bei schnellerer Fahrt – der Volt darf bis zu 160 Sachen rennen – nimmt man nicht wahr, ob die Fahrt nun rein elektrisch bestritten wird, oder ob der Benziner mitläuft.
Erfreulich hoher Komfort
Nicht nur das niedrige Geräuschniveau sorgt im Chevrolet Volt für einen äußerst komfortablen Gesamteindruck. Auch die Abstimmung der Federung ist gelungen und die Insassen nehmen auf ordentlich dimensionierten und bequemen Fauteuils Platz. Die Bedienung des auf den ersten Blick sehr verspielt erscheinenden Armaturenträgers gestaltet sich unkompliziert und die serienmäßige Soundanlage sorgt dank ihres guten Klangbildes jederzeit für Kurzweil. Ausstattungsseitig hat Chevrolet ohnehin fast alles serienmäßig mit an Bord gepackt, was man so im Alltag braucht.
Die Verarbeitungsqualität reicht aus
Im Vergleich zu den bisher nach Europa gelieferten Produkten aus dem Hause Chevrolet hat der Volt einen echten Sprung hinsichtlich der Verarbeitungsqualität gemacht. Die verwendeten Materialien sind zwar nicht die hochwertigsten und es wurde hier und da noch Hartplastik verwendet. Es ist jedoch alles sorgfältig montiert, nichts klappert oder knistert, auch auf harten Buckelpisten herrscht Ruhe.
Von besonderem Interesse: der Verbrauch
Wer nun eine Wegstrecke von runden 500 Kilometern mit dem Volt zurückgelegt hat, möchte natürlich wissen, wie viel der Volt verbraucht. Und hier ergibt sich eine etwas kompliziertere Rechnung, als wir sie von reinen Stromern oder Benzinern kennen. Auf den ersten 40 bis 80 Kilometern fährt der Volt komplett ohne Benzinverbrauch. Danach kommt man auf einen Durchschnittsverbrauch von circa sieben Litern Super pro 100 Kilometer. Das ist zwar für ein Auto dieses Formates kein allzu schlechter Wert, besonders gut ist er aber auch nicht. Doch die wahre Stärke des Volt liegt schlicht darin, dass er während der meisten Fahrten rein elektrisch betrieben werden kann und trotzdem für den Notfall gerüstet ist. Insbesondere die Angst, der Strom könnte zur neige gehen und man könnte deswegen liegenbleiben, entfällt bei diesem aufwendigen Konzept komplett.
Kein Sonderangebot
Die Idee, einem Elektroauto einen Benziner zur Seite zu stellen, löst zweifelsfrei einen Großteil der Probleme der Elektromobilität. Das Konzept hat allerdings auch durchaus seine Schwächen. 1,7 Tonnen Leergewicht sind in dieser Klasse ebenso wenig adäquat, wie der Grundpreis von 41.950 Euro. Da scheint es nur fair, dass Chevrolet eine Garantie bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern gewährt, auch auf den Akku. Immerhin: der Volt ist damit knapp 1.000 Euro billiger als der technisch vergleichbare Opel Ampera – der allerdings auch eine etwas höherwertige Ausstattung mit sich bringt. Wer hauptsächlich ohne Benzinverbrauch unterwegs ist, fährt dagegen einen Gutteil durch die sensationell niedrigen Kilometerkosten wieder herein. Zudem schont das Finanzamt Fahrer der Zukunftstechnologie, es werden zunächst keine Steuern erhoben. Und auch die Kfz-Versicherung dürfte äußerst moderat ausfallen (hier können Sie vergleichen), Fahrern eines Volt sagt man ein günstiges Risikoprofil voraus.
Fazit
Noch steckt die Elektromobilität in ihren Kinderschuhen, sie ist teuer und schreckt potentielle Kunden mit eingeschränkter Flexibilität wegen geringer Akku-Kapazitäten. Mit dem Volt und seinem Range-Extender beseitigt Chevrolet zumindest das Problem der eingeschränkten Reichweite, es bleibt allerdings ein hoher Preis. Lässt man diesen aber einmal außer Acht, zeigt sich ein ausgereiftes und vollwertiges Automobil, mit dem auch längere Strecken komfortabel zurückgelegt werden können. Zudem sind etliche Exemplare bereits vorab verkauft, was ebenfalls für die Vorzüge eines Volt spricht. (autaro)



